Heterophorie oder latentes Schielen (früher Winkelfehlsichtigkeit genannt)

Heterophorie oder latentes Schielen ist ein Sehfehler, der bei den meisten Menschen vorhanden ist, aber nur bei wenigen richtige Probleme darstellt. Vor allem bei Kindern kann eine Heterophorie (latentes Schielen) zu erheblichen schulischen Entwicklungsstörungen führen. Dabei lässt sich eine Heterophorie mit speziellen Tests relativ einfach feststellen und mit prismatischen Brillengläsern korrigieren.

Symptome einer Heterophorie:

  • Unbefriedigendes oder schlechtes Sehen, trotz aktueller Brille.
  • Anstrengendes oder ermüdendes Sehen, insbesondere bei längerem Lesen und Arbeiten am Bildschirm.
  • Augenschmerzen, Augenbrennen, Augentränen, rote Augen
  • Kopfschmerzen, auslösen von Migräne
  • Verstärkung von Verspannungen im Hals-, Nacken- und Schulterbereich.
  • Erhöhte Lichtempfindlichkeit, die durch zukneifen eines Auges gemindert wird.
  • etc.

Wenn bei Ihnen eine der oben genannten Auffälligkeiten besteht und eine Erkrankung als Ursache nicht gefunden werden kann, empfehlen wir Ihnen, eine Überprüfung auf Heterophorie (latentes Schielen), die bei uns standardmässig seit 1985 zu einem Sehtest gehört, zu machen. Unabhängig davon, ob Sie bereits eine Brille benutzen, und auch, wenn Sie das Gefühl haben, ausreichend scharf zu sehen.

Die erste prismatisch korrigierte Brille - und wie geht es weiter?

Die erste prismatisch korrigierte Brille - und wie geht es weiter?

Nachdem sie Ihre Prismenbrille einige Zeit lang (möglichst ständig!) getragen haben, können Sie selbst beurteilen, wie sich ihre bisherigen Beeinträchtigungen verringert haben.

In den meisten Fällen wird sich mit der ersten Prismenbrille recht bald ein Erfolg einstellen, der dauerhaft bestehen bleibt. In einigen Fällen können aber auch nach einer gewissen Tragezeit wieder Schwierigkeiten auftreten. Um dauerhafte Verbesserungen zu erreichen, können unter Umständen mehrere Veränderungen der Prismenstärke erforderlich werden.

Der Grund ist, dass Heterophorie (latentes Schielen) von Geburt an besteht und die Ausgleichsbestrebungen der Augen fest eingefahren sind. Somit ist das Ausmass der Heterophorie (latentes Schielen) bei der ersten Messung manchmal nicht vollständig bestimmbar.

Die eventuellen Änderungen, die bei Nachkontrollen gefunden werden, werden selbstverständlich nur dann zur Übernahme in die Prismenbrille empfohlen, wenn weiterhin oder erneut Beschwerden auftreten.

Muss Heterophorie (latentes Schielen) immer mit Prismenbrillen korrigiert werden?

Muss Heterophorie (latentes Schielen) immer mit Prismenbrillen korrigiert werden?

Nein, wenn keine Beschwerden vorliegen und kein angenehmeres Sehen durch die prismatische Korrektion erzielt wird, ist es nicht zwingend erforderlich eine Heterophorie (latentes Schielen) zu korrigieren.

Verantwortungsbewusste Anwender der MKH, also wir, werden Sie als Fehlsichtigen stets umfassend und individuell beraten, damit wir zusammen die optimale Entscheidung für Sie treffen können.

 

 

 

 

 

Schielt man mit Prismengläsern?

Schielt man mit Prismengläsern?

In seltenen Fällen tritt die so genannte grosse Heterophorie (latentes Schielen) auf.

Hierbei scheinen die Augen, die durch die Prismenbrille korrigiert werden, tatsächlich zu schielen. Jedoch ist dies kein echtes Schielen. Hier wird lediglich die schon vorher vorhandene grosse Heterophorie (latentes Schielen) sichtbar. Nach Absetzen der Prismenbrille verschwindet dieser Effekt wieder.

Grosse Heterophorie (latentes Schielen) erfordert allerdings etwas dickere Prismengläser und kann, nachdem die Prismenbrille lange genug getragen wurde, operativ beseitigt werden.

 

 

 

Ist Heterophorie (latentes Schielen) eine Augenkrankheit?

Ist Heterophorie (latentes Schielen) eine Augenkrankheit?

Nein, Heterophorie (latentes Schielen) ist keine Krankheit, sondern ein Sehfehler. Das heisst praktisch, dass die Heterophorie (latentes Schielen) 'nur' eine Abweichung vom idealen Körperbau ist.

Lassen Sie es mich mit einem zu kurzen Bein vergleichen: Ein solches können Sie ebenfalls nicht verlängern. Sie können es lediglich ausgleichen, indem Sie sich einen Schuh mit einer entsprechend dicken Sohle anfertigen lassen. Das Bein ist dadurch nicht länger geworden, trotzdem haben Sie beim Gehen keine Beschwerden; Sie hinken nicht mehr und gehen auch nicht mehr im Kreis herum!

Genauso funktionieren prismatische Brillengläser, sie gleichen den Sehfehler aus und das nur für die Dauer der Tragezeit. Dies ist übrigens genauso wie bei jedem anderen Sehfehler, beispielsweise bei Kurzsichtigkeit.

Was bewirken prismatische Brillengläser?

Was bewirken prismatische Brillengläser?

Prismatische Brillengläser bedeuten eine grosse Entlastung für Menschen mit einer Heterophorie (latentes Schielen). Das Augenpaar kann nun ohne Mühe seine anstrengungsärmste Stellung einnehmen und trotzdem treffen die Bilder nun auf diejenigen Netzhaut Stellen in beiden Augen, welche die höchste Wahrnehmungsqualität liefern.

Auf Grund dieser Erkenntnis können auch billige Sportsonnenbrillen ohne prismatischen Glasschliff bei den normalen Augen, beschwerden wie sie oben genannt wurden verursachen.

 

 

 

 

 

Wie wird Heterophorie (latentes Schielen) festgestellt?

Wie wird Heterophorie (latentes Schielen) festgestellt?

Heterophorie (latentes Schielen) kann mit der Mess- und Korrektionsmethodik nach H.-J. Haase (MKH) gemessen und korrigiert werden.

Dieses Messverfahren wird seit mehr als vierzig Jahren von darin ausgebildeten dipl. Augenoptikern und Augenärzten sehr erfolgreich angewandt.

Bei dieser Messung wird die anstrengungsärmste Augenstellung erfasst und die Abweichung zur Sollstellung in cm/m ermittelt. Auf Basis dieser Messwerte werden prismatische Brillengläser angefertigt.

Wie entsteht Heterophorie (latentes Schielen)?

Wie entsteht Heterophorie (latentes Schielen)?

Beim beidäugigen Sehen richten sich beide Augen auf das jeweils angeblickte Objekt aus. Im Idealfall befinden sich die Augen nach dieser genauen Ausrichtung in derjenigen Augenstellung, die für sie am "wenigsten" anstrengend ist.

Bei Augen bei denen eine Heterophorie (latentes Schielen) vorhanden ist, ist dies leider nicht der Fall. Sie befinden sich (bei exakter Ausrichtung auf das angeblickte Objekt) nicht in der anstrengungsärmsten Augenstellung. Für diese Augenpaare ist das 'richtige' Sehen anstrengend.

Es ergibt sich folgende Zwickmühle:

  • Jede Abweichung von der anstrengungsärmsten Augenstellung erfordert eine besondere Anstrengung der fünf Augenbewegungsmuskeln.
  • Jede Abweichung von der exakten Ausrichtung der Sehachsen führt zu schlechterem Sehen, Kopfschmerzen, Augenschmerzen, Augenbrennen, Augentränen etc. im Extremfall und vor allem bei Müdigkeit bis hin zu Doppelsehen.

Somit wird das Sehen bei einer Heterophorie (latentes Schielen) stets zu einem Kompromiss zwischen anstrengendem Sehen und schwächerer Sehleistung.

Nach oben