Heterophorie (latentes Schielen) bei Kindern

 - was Sie als Eltern wissen sollten!

Nicht jedes Kind, welches schulische Probleme hat, hat automatisch Legasthenie oder eine Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS). Falls Abklärungen für Legasthenie oder Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) gemacht werden, sollte man unbedingt auch die Augen Ihres Kindes auf eine eventuelle Heterophorie (latentes Schielen) Testen.
Schulische Probleme können auch durch eine Heterophorie (latentes Schielen) verursacht oder verstärkt werden.
Wir befassen uns seit 1985 intensiv mit diesem Thema und konnten bereits duzende Erfolge erzielen.

Was können für mein Kind die Folgen einer Heterophorie (latentes Schielen) sein?

Wenn eine Erkrankung als Ursache bisher nicht gefunden worden ist, können folgende Auffälligkeiten bei Ihrem Kind auf eine Heterophorie (latentes Schielen) hindeuten:

In der Schule:

  • Keine Lust zu lernen, da es den Kindern so schwer fällt.
  • Lese- und Schreibschwierigkeiten
  • Konzentrationsschwierigkeiten
  • Grosse Neigung zu Flüchtigkeitsfehlern
  • Schlechte Handschrift
  • Auffällige Zappligkeit (Hypermotorik)
  • geringe Belastbarkeit
  • etc.

Körperbeherrschung:

  • Ungeschickte Grobmotorik (z. B. beim Treppensteigen, Fahrradfahren oder Ballspielen)
  • Schlechte Feinmotorik (z. B. beim Ausmalen, Zeichnen oder Ausschneiden)
  • Gleichgewichtsprobleme
  • Ungeschicklichkeit
  • Schräge Kopfhaltung
  • Gestörte Koordination zwischen Auge und Hand

Anstrengungszeichen:

  • Schnelles Ermüden beim Schreiben und Lesen.
  • Augenschmerzen, Augenbrennen, Augenblinzeln, Augentränen
  • Erhöhte Lichtempfindlichkeit, die durch zukneifen eines Auges gemindert wird.
  • Kopfschmerzen (in den ersten vier Lebensjahren)
  • häufiger Bauchschmerzen und Übelkeit als üblich
  • Schwindel

Heterophorie (latentes Schielen) aus ärztlicher Sicht

Heterophorie (latentes Schielen) aus ärztlicher Sicht

Dr. med. Heike Schuhmacher, Fachärztin für Allgemeinmedizin, Dipl.- Orthoptistin, Beratende Schulärztin aus Bad Homburg in einem Seminar des WVAO (Wissenschaftliche Vereinigung für Augenoptik und Optometrie e.V., Landesgruppe Rhein-Main/Hessen-Süd) am 14.3.2006 zum Thema "Visuelle Wahrnehmung und Lernstörung":

"Eine erhebliche Anzahl von Schulkindern mit Lern- und Teilleistungsproblemen leidet an unerkannten visuellen Wahrnehmungsstörungen. Diese funktionellen Beeinträchtigungen sind sehr komplex und reichen von neuropsychologischen Wahrnehmungsverarbeitungsstörungen bis zu neurophysiologischen Symptomen wie Konvergenzinsuffizienz, akkomodativer Dysfunktion, Fusionsdefiziten und Störungen in den Steuerungsfunktionen von Leseakkaden etc."

Was können Sie tun?

Was können Sie tun?

Sie können bei Ihrem Kind eine spezielle Augenuntersuchung durchführen  lassen, und zwar die Mess- und Korrektionsmethodik nach H.-J. Haase. Diese wird schon seit Jahrzehnten erfolgreich angewandt (früherer Name: Polatest-Methode). Mit ihrer Hilfe können wir bei Ihrem Kind feststellen, ob eine Heterophorie (latentes Schielen) vorliegt.

Wird tatsächlich eine Heterophorie (latentes Schielen) festgestellt, wird aufgrund der Messungen eine prismatisch korrigierte Brille angefertigt. Mit dem konsequenten Tragen dieser Brille können die Auffälligkeiten vermindert oder behoben werden. Empfohlen wird dies auch bei Legasthenie, die durch eine Heterophorie (latentes Schielen) verursacht bzw. verstärkt wurde.

Was können Sie erwarten?

Was können Sie erwarten?

In den meisten Fällen werden die Anstrengungsbeschwerden, unter denen Ihr Kind leidet (Kopfschmerzen, Augenschmerzen, Lese- und Schreibschwierigkeiten etc.) sich recht schnell verringern oder sogar ganz verschwinden. Je jünger das Kind bei der ersten Prismenbrille ist, desto besser.

Erhält das Kind die Brille in den ersten bis zwei Schuljahren, wird es recht bald Freude am Lesen entwickeln.

Sehr wichtig für schulischen Erfolg ist die Lesefähigkeit und Bereitschaft des Kindes. Es kann sich also deutlich positiv auf die Schulsituation auswirken, wenn eine Leseabneigung verringert wird. Noch dazu, wenn sich Konzentrationsfähigkeit und Belastbarkeit Ihres Kindes verbessern - und dies wird durch das Tragen der prismatisch korrigierte Brille wahrscheinlich geschehen.

Einige Bitten an Sie als Eltern:

Einige Bitten an Sie als Eltern:

  • Hat Ihr Kind anfänglich Angewöhnungsschwierigkeiten durch die prismatisch korrigierte Brille, so unterstützen Sie es.
  • Das Kind muss die neue Brille ständig tragen, auch wenn dies lästig erscheinen mag: Auch während des Spielens. Bitte achten Sie darauf!
  • Ist die Brille mal verbogen oder gar defekt, sorgen Sie bitte rasch für Reparatur oder Ersatz.
  • Damit eventuell notwendige Änderungen der Brillengläser durchgeführt werden können, nehmen Sie die empfohlenen Nachkontrollen wahr.
  • Heterophorie (latentes Schielen) ist ein Sehfehler, keine Krankheit. Eine prismatisch korrigierte Brille kann demzufolge nicht "heilen". Sie korrigiert den Sehfehler, jedoch nur für die Dauer der Tragezeit.

Was können Sie nicht erwarten?

Was können Sie nicht erwarten?

Über viele Jahre haben sich bei Ihrem Kind die Augen, Sehzentrum und andere Teile des Gehirns darauf eingestellt, mit nicht-optimalen Seheindrücken umzugehen. Dabei versuchte die Augenmuskulatur, die Heterophorie (latentes Schielen) auszugleichen. Daran haben sich die Augen gewöhnt, und das beidäugige Sehen konnte trotz vorhandener Heterophorie (latentes Schielen) erlernt werden. Doch die Kraft, die hierzu von der Augenmuskulatur aufgewandt wurde, fehlt Ihrem Kind an anderer Stelle.

Die prismatisch korrigierte Brille nimmt Ihrem Kind diese Kraftanstrengung ab und sorgt dafür, dass die Seheindrücke beider Augen genau zueinander passen.

Diese Seheindrücke sind aber neu und die Augen müssen erst lernen, damit umzugehen. Dies kann eine gewisse Zeit in Anspruch nehmen.

Deshalb ist in den meisten Fällen nicht zu erwarten, dass Ihr Kind nach wenigen Tagen oder Wochen von seinen Schwierigkeiten befreit wird, wenn es die prismatisch korrigierte Brille trägt. Besonders dann nicht, wenn erst im dritten Schuljahr oder später begonnen wurde, die Heterophorie (latentes Schielen) zu korrigieren.

Womöglich hat Ihr Kind durch das jahrelange gestörte Sehen auch spezielle Verhaltensweisen und Einstellungen entwickelt - vielleicht sogar als Ergebnis zahlreicher Enttäuschungen in der Schule. Diese können leider nicht von einem Tag auf den anderen vergessen werden.

 

Deshalb bitte ich Sie!

Seien Sie geduldig mit Ihrem Kind.

Erwarten Sie den Erfolg nicht in wenigen Tagen oder Wochen, sondern erst in einigen Monaten oder vielleicht sogar Jahren.

Diego Martinaglia dipl. Augenoptiker